Die Bluepages GmbH betreibt experimentellen Online-Journalismus in der Documenta- und Universitätsstadt Kassel.
Hintergrund: Elke Rennert hat ihren verstorbenen Verwandten Helga und Ingrid versprochen, dass das Haus der Apsens nach dem Tod der Apsenschwestern von der Familie Rennert genutzt und in Ehren gehalten wird. Das Haus und seine früheren Bewohner haben eine wechselvolle Geschichte, die sich in ihrem vollen Umfang erst bei der Haushaltsauflösung abzeichnete.
Es fiel der Entschluss, dass das von Elke und Konrad Rennert gegründete Unternehmen, die Bluepages GmbH ihren Sitz im Haus nimmt. Ein junger Mitarbeiter soll mit seiner Familie dort wohnen und ein Arbeitszimmer haben, wenn die umfassende Sanierung im Jahr 2015 abgeschlossen ist.
In mehreren Sequenzen wird der Fortgang der Sanierung dokumentiert. Experimenteller, moderner Fachjournalismus mit einem situativen Ansatz passt gut zum Beruf der letzten Frau der deutschen Linie der Apsens: Helga arbeitete nach dem Krieg in der früheren DPA-Dienstelle in Kassel und zuletzt als Journalistin bei der Deutschen Kriegsgräberfürsorge.
Ihre Angehörigen werden den Fach-Journalismus fortführen und sich bemühen, freie Mitarbeiter für die Kernthemen der Bluepages GmbH zu finden. Da fügt es sich gut, dass Ingenieure und Architekten zum Freundeskreis gehören und als Gesellschafter der GmbH einsteigen. Sie sind bereit, bei dieser Dokumentation der Umbauarbeiten mitzumachen. Der erste in dieser Sequenz ist der Freund, Gesellschafter und Architekt Karl-Günter Frisch.
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Vor 70 Jahren: Feindeinwirkung am 1.1.1945
Böller der besonderen Art gab es zum Jahreswechsel 44/45 in der Lessingstraße.
Bei der Suche nach Unterlagen für den Statiker und den Architekten wurden weitere historische Unterlagen gefunden. Bisher wussten wir nicht genau, wann das Apsenhaus bombardiert wurde.
Es waren genau 3 Jahre und 1 Tag nachdem der Erbauer nicht durch Feindeinwirkung sondern durch Mobbing am Arbeitsplatz bei der AEG, u.a. wegen seiner russischen Herkunft und mangelnder Kooperationsbereitschaft mit der Gestapo am Silvestertag 1942 aus dem Leben schied.
Die Apsenschwestern Ingrid und Helga sprachen kaum über diese Tragik, die durch das Schriftstück des kommissarischen Oberbürgermeisters belegt wird.
Der Krieg war am 5. Juli 1945 schon seit mehr als 8 Wochen vorbei. Die Behörden funktionierten wie zuvor. Nur die Kosten für Kanal und Müll wurden erlassen, Grundsteuer und Straßenreinigung mussten nach der Stundung dennoch gezahlt werden. Der Wiederaufbau des Hauses begann Ende 1947. HartzIV oder Sozialhilfe gab es noch nicht.
Die Gebühren der Stadt Kassel stiegen schon damals kräftig – und das obwohl auf dem Bescheid schon in DM und nicht mehr in Reichsmark abgerechnet wird.
PS: Die Töchter von Marie Apsen, Helga und Ingrid mussten nach dem Abitur auf ein Studium verzichten und arbeiteten als Dolmetscherin und Sekretärin bei den Besatzern bzw. bei der Bahnpolizei in Kassel, damit die Familie mit der russischen Oma Nadine überleben konnte. Das wieder aufgebaute Haus war schon wieder Wohnsitz, wie an der Anschrift des Gebührenbescheides zu erkennen ist.
Urkatastrophe 1. Weltkrieg
Ohne den 1. Weltkrieg wäre das Apsenhaus nicht in Kassel gebaut worden. Ohne den Krieg hätte es weder in Russland noch in Deutschland eine Revolution gegeben und der in Moskau geborene Erbauer Paul Apsen hätte nicht nach Deutschland fliehen müssen. Er wäre wahrscheinlich ein wohlhabender russischer Bürger mit baltendeutschen Vorfahren geblieben. Im Nachlass der Apsens finden sich umfangreiche Chroniken der damaligen Zeit. Elke Rennert wird demnächst die interessantesten Abschnitte vortragen. Ein junger Historiker soll dazu eine passende Einordnung in das damalige Zeitgeschehen vornehmen. Für die Zeit des 1. Weltkrieges fällt das dank der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sehr leicht. Die Kriegsausgaben von 1914 stehen bereits als Online-Versionen im pdf-Format für jedermann zugänglich bereit. Möglicherweise hat die Stiefgroßmutter des Erbauers diese Zeitung sogar gelesen. Bei Kriegsausbruch 1914 lebte Emilie v. Hagen in der Wiesbadener Wohnung der Familie. Weil ihr der russische Pass entzogen wurde, konnte sie nicht nach Russland zurückreisen und vertraute ihre Gedanken dem Tagebuch an (s. Bild oben).
Was im Land und an den Kriegsfronten geschah, kann man mit Hilfe der folgenden Links in den alten Frankfurter Zeitungen lesen: Weiterlesen