Einleitung zur Hagen- bzw. zur Apsenchronik

Der Autor hat im Internet den Namen „Apsenchronik“ bewusst gewählt, um das Auffinden und die Verfolgung der Verlinkung in Suchmaschinen zu erleichtern. Zum Zeitpunkt der Erstellung gab es in Suchmaschinen noch keine Fundstellen zu „Apsenchronik“ und zum „Apsenhaus“. Wegen der Stadt Hagen und der Verbreitung des Namens Hagen gab es jedoch schon über 300000 Einträge zu „Hagen Chronik“. Die Wahl des seltenen Name Apsen macht bei der Suche nach Fundstellen Sinn, weil das ererbte Haus und die dort gefundene Chronik von Nachfahren der Hagens und der Familie Apsen stammt. Als letzte des deutschen Zweiges der Familie ist Helga Apsen im Jahr 2014 verstorben.
„Die Vorfahren meiner Großmutter waren kein richtiger Adel sondern nur nur baltischer Verdienstadel.“ So äußerte sich Helga, wenn man sie auf ihre adeligen „von Hagen“-Vorfahren ansprach.
Im Nachlass von Helga Apsen fand sich unter anderem eine Originalabschrift von der Urkunde des russischen Zaren aus dem Jahre 1856. Ihr vier Generationen älterer Vorfahr ist mit der Erhebung in den erblichen Adelsstand im Kulturportal West-Ost http://kulturportal-west-ost.eu/biographien/hagen-johann-august-von-2 vertreten. Neben dem Adelsbrief fanden sich Abschriften von alten Chroniken, Hagens Autobiographie und weitere schriftliche Erinnerungen derer von Hagen. Das handschriftlich verfasste Original der Autobiographie des Künstlers wird im Theater und Musikmuseum von Tallinn aufbewahrt.
Dem einen ist das nur ein altes handgeschriebenes Dokument mit Zarensiegel und gebundenes bedrucktes Papier, welches allenfalls ein paar Euro von Sammlern solcher Reliquien bringt. Dem anderen eröffnet es tiefe persönliche Einblicke in die Zeit zwischen der französischen Revolution und dem Ende des Zarenreiches, welches auch dem Ende des „von-Hagenschen“ und „Apsenschen“-Wohlstandes in Russland entspricht. In den Schilderungen aus der Hinterlassenschaft erkennt man viele Ähnlichkeiten zum Film „Der Mann mit dem Fagott“, welcher das Ende der Vorfahren von Udo Jürgens in Russland beschreibt. Nicht nur der Bolschewismus spielte den Familien Bockelmann und Apsen übel mit, als nächstes Übel folgte der Nationalsozialismus in Deutschland. Der Vater von Udo Jürgens wurde durch das Kriegsende von der Hinrichtung verschont. Helga Apsens Vater wurde an seinem Arbeitsplatz als Ingenieur bei der AEG in Kassel von der Gestapo so unter Druck gesetzt, dass er an Silvester 1942 seinem Leben selbst ein Ende setzte. Der Schriftwechsel der Witwe mit den in dieser familiären Tragödie zuständigen Stellen liegt ebenfalls vor. Doch die Aufarbeitung muss wegen Zeitmangels vorerst liegen bleiben.
Zur Anfertigung der Videos wurde unter anderem die Autobiographie von Johann August von Hagen (*1786 +1877) verwendet. Uns liegt die Abschrift von Hagens Sohn Theophil vor. Das handschriftliche Original findet man im Theater und Musikmuseum von Tallinn: http://www.tmm.ee
Zum Inhalt Videosequenzen 1 bis 10:
Die Biographien der Familien Hagen und Apsen sind derzeit gut einzuordnen. Sie haben mit Migration und Flucht zu tun. Johann August von Hagen migrierte wegen der Napoleonischen Kriege von Sachsen ins russisch verwaltete Baltikum. Sein in Moskau geborener Urenkel Paul Apsen verlor durch die Oktoberrevolution sein russisches Erbe einschließlich des herrschaftlichen Elternhauses in Moskau und arbeitete als Ingenieur bei der AEG in Kassel. Wegen des Drucks, den er von der Betriebsgruppe der NS-Arbeitsfront und der Gestapo bekam, wählte er am Silvestertag 1942 den Freitod. Er sah die Zerstörung seines Hauses in Kassel durch amerikanische Bomber am Neujahrstag 1945 nicht mehr.
Im Keller des fast vollständig zerstörten Hauses überstanden seine Mutter Nadine, seine Witwe Marie und die beiden Töchter Helga und Ingrid und die jetzt vorliegenden Dokumente und Urkunden einen der letzten Angriffe auf Kassel.
In diesem Video werden die zuvor erstellten 10 Apsenchronik-Sequenzen zusammengefasst, welche aus der Familienchronik und der Autobiographie Johann August von Hagens abgeleitet wurden:
Johann August Hagen wird 1786, d.h. dem Todesjahr von Friedrich dem Großen geboren. Als Sohn eines Pirnaer Schneidermeisters und Textilhändlers, der nebenbei auch Organist war, konnte er als Internatsschüler die Dresdner Kreuzschule besuchen und komponierte schon früh Lieder. 1803 wurden seine ersten Kompositionen in Leipzig veröffentlicht. Die Machtergreifung Napoleons nimmt Hagen bewusst wahr. Wegen oder in Folge der Feldzüge Napoleons nahm er 1809 eine Stelle als Hauslehrer des bekannten und später ermordeten Dichters August von Kotzebue im Baltikum an. 1813 war er Mentor eines jungen behinderten Adeligen. Mit ihm reiste er über Karlsbad und Prag nach Wien und traf auf mehrere Künstler von denen Beethoven der bekannteste war. Nach seiner Rückkehr ins Baltikum fand er eine Festanstellung an der höheren Töchterschule in Reval, dem heutigen Tallinn. Man drängte ihn zur Heirat. Er heiratete die 1798 geborene Lehrerin Friederike Frantzen. Die 9 Kinder des Paares wurden zwischen 1816 und 1836 geboren. Das jüngste Kind Paul ist der Großvater von Paul Apsen (*1893 +1942). Die Kinder des Joh. A. von Hagen wurden in weiten Teilen Russlands aktiv. Er selbst besuchte sie noch im hohen Alter jenseits des Urals und in Südrussland.
Im hohen Alter erblindete Hagen jedoch zunehmend. Mit 80 verfasste er seine Erinnerungen(Autobiographie). Der drittjüngste Sohn Theophil (*1831) schrieb die handschriftlichen Erinnerungen seines Vaters 1912 ab. Da lebte er schon als Ruheständler im Berliner Bezirk Charlottenburg. Er vervielfältigte seine Abschrift, um sie an nahestehende Angehörige zu verteilen, eine davon war im Erbe der Apsens zu finden.
Auch Hagen selbst blieb bis ins hohe Alter rege und nahm die Entwicklungen wahr. Die Söhne arbeiteten u.a. als Händler, Bahnstationsvorsteher, Festungsbaumeister, Gutsverwalter und Ölsucher.
Der interessante Mensch Joh. A. Hagen wurde im Todesjahr des alten Fritz (1786) geboren. Er nahm den Aufstieg und Fall Napoleons bewusst wahr und gehörte zum deutschstämmigen Bildungsbürgertum im Baltikum, welches später unter der zunehmenden Russifizierung litt. Als er 1877 starb, existierte das von Bismarck geschaffene Kaiserreich schon 6 Jahre. Das Zarenreich, welchem er und seine Nachfahren in vielen Funktionen gedient hatten, sollte noch weitere 40 Jahre existieren. Mit seinem Ende verloren die uns bekannten Nachfahren dort praktisch alles, was die Familie seit der Migration ins Baltikum erworben hatte.
(Autor: Konrad Rennert, 12. 4. 2016)

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